Wärmewende vor Ort gestalten: Kommunalpolitischer Abend der Stadtwerke Gifhorn bringt Politik, Wirtschaft und Energiebranche zusammen
Wie gelingt die Wärmewende vor Ort? Welche Auswirkungen haben globale Entwicklungen auf die Energieversorgung in unserer Region? Und wie schaffen wir es, Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz langfristig miteinander zu verbinden?
Mit genau diesen Fragen beschäftigte sich der erste Kommunalpolitische Abend der Stadtwerke Gifhorn im neuen Haus der Wirtschaft im Steinweg 8. Rund 40 Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunalpolitik, Verwaltung, kommunalen Unternehmen sowie Aufsichtsrats- und Ratsmitglieder aus Stadt und Landkreis Gifhorn kamen zusammen, um über die Zukunft der Energieversorgung zu diskutieren und gemeinsam Perspektiven für die Region zu entwickeln.
Haus der Wirtschaft als Ort für Zukunftsdialog
Bereits die Wahl des Veranstaltungsortes machte deutlich, worum es den Stadtwerken Gifhorn geht: Austausch ermöglichen, Menschen vernetzen und wichtige Zukunftsthemen gemeinsam voranbringen.
Zum Auftakt begrüßte Geschäftsführer Johannes-Jürgen Laub die Gäste und betonte die Bedeutung des neuen Hauses der Wirtschaft als Plattform für regionale Zusammenarbeit:
„Mit dem Haus der Wirtschaft schaffen wir bewusst einen Ort für Austausch und Vernetzung. Gerade komplexe Zukunftsthemen wie Energie brauchen Dialog.“
Nach einem Grußwort von Gifhorns Bürgermeister Matthias Nerlich stellte Geschäftsführer Olaf Koschnitzki aktuelle Entwicklungen und Perspektiven der Stadtwerke Gifhorn vor. Dabei wurde deutlich: Die Energiewelt befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel.
Steigende Anforderungen an die Stromnetze durch Elektromobilität, Wärmepumpen und Photovoltaik, die kommunale Wärmeplanung sowie Investitionen in eine nachhaltige Infrastruktur prägen die Herausforderungen der kommenden Jahre. Gleichzeitig entwickeln die Stadtwerke Gifhorn ihr Angebot weiter – unter anderem mit neuen Geschäftsfeldern im Bereich Wärmepumpen und Photovoltaik.
Olaf Koschnitzki brachte die strategische Ausrichtung des Unternehmens auf den Punkt:
„Wir gestalten die nachhaltige und digitale Energiewelt für morgen.“
Von globalen Krisen bis zur Energieversorgung vor Ort
Großes Interesse bei den Gästen weckte der Impulsvortrag von Tobias Federico, Chief Analyst der Montel GmbH.
Unter dem Titel „Zwischen Iran und globalen Machtverschiebungen: Wie schaffen wir unsere Energiewende?“ zeigte Federico eindrucksvoll auf, wie eng internationale Entwicklungen und die regionale Energieversorgung inzwischen miteinander verbunden sind. Globale Konflikte, geopolitische Spannungen, internationale Lieferketten und Entwicklungen an den Energiemärkten beeinflussen längst unmittelbar die Situation vor Ort.
Besonders deutlich wurde dabei: Auch wenn die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern langfristig sinken soll, entstehen neue Herausforderungen. Komponenten für Wärmepumpen, Speichertechnik oder erneuerbare Energiesysteme stammen häufig aus internationalen Lieferketten. Versorgungssicherheit bedeutet daher heute mehr als nur Energie zu erzeugen – sie umfasst auch Infrastruktur, Verfügbarkeit von Technologien und wirtschaftliche Stabilität.
Federico formulierte es so:
„Energieversorgung wird zunehmend zur geopolitischen Frage. Versorgungssicherheit bedeutet künftig nicht nur Energie zu erzeugen – sondern auch Lieferketten, Infrastruktur und internationale Abhängigkeiten mitzudenken.“
Der Vortrag sorgte bei den Gästen für großes Interesse und zahlreiche Nachfragen – insbesondere zur langfristigen Preisentwicklung an den Energiemärkten, internationalen Abhängigkeiten sowie den Auswirkungen globaler Entwicklungen auf Kommunen und regionale Energieversorger.
Finanzierung und Akzeptanz als zentrale Herausforderungen
Im Anschluss diskutierten Tobias Federico, Olaf Koschnitzki, Gifhorns Stadtbaurat Oliver Bley sowie Andreas Otto, Vorstandsvorsitzender der Gifhorner Wohnungsbau-Genossenschaft (GWG), gemeinsam über die Zukunft der Energieversorgung und die Wärmewende vor Ort.
Schnell wurde deutlich: Die größte Herausforderung der Wärmewende sehen die Beteiligten insbesondere in der Finanzierung und gesellschaftlichen Akzeptanz.
Darüber hinaus wurden Themen wie Infrastruktur, Geschwindigkeit der Umsetzung, Fachkräfteverfügbarkeit im Handwerk sowie langfristig verlässliche politische Rahmenbedingungen als entscheidende Erfolgsfaktoren benannt.
Oliver Bley betonte dabei insbesondere die Chancen gemeinsamer Lösungen:
„Kommunale Finanzierungsmöglichkeiten sind aktuell nur begrenzt vorhanden. Umso wichtiger werden Kooperationen zwischen Eigentümern, Investoren und kommunalen Partnern. Gemeinsame Projekte können neue Perspektiven für Nahwärmelösungen schaffen und die Wärmewende vor Ort voranbringen.“
Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Wärmewende nur mit langfristiger Planungssicherheit erfolgreich umgesetzt werden kann.
Andreas Otto erklärte:
„Wenn wir langfristig Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit sichern wollen, brauchen wir verlässliche Rahmenbedingungen und Investitionen mit Planungssicherheit.“
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Diskussion: Die Umsetzung der Wärmewende wird nicht allein von politischen Entscheidungen abhängen. Auch die praktische Umsetzbarkeit – beispielsweise durch ausreichende Fachkräfte- und Handwerkskapazitäten – wird eine zentrale Rolle spielen.
Gemeinsam Verantwortung übernehmen
Die Diskussion zeigte deutlich: Die Energiewende gelingt nur gemeinsam.
Kommunen, Energieversorger, Wohnungswirtschaft, Handwerk, Politik und Bürgerinnen und Bürger müssen eng zusammenarbeiten, um nachhaltige und wirtschaftlich tragfähige Lösungen für die Region zu entwickeln.
Stadt Gifhorn, GWG und Stadtwerke Gifhorn treiben bereits konkrete Projekte zur Weiterentwicklung nachhaltiger Wärmeversorgung voran. Gleichzeitig bleibt die Transformation des Energiesystems eine langfristige Aufgabe, die gemeinsame Verantwortung und realistische Rahmenbedingungen erfordert.
Der Kommunalpolitische Abend endete bei Speisen und Getränken mit vielen persönlichen Gesprächen und intensivem Austausch.
Für die Stadtwerke Gifhorn ist klar: Der Dialog geht weiter.
Denn die Energiezukunft entsteht nicht allein auf internationalen Märkten oder in politischen Debatten – sie entsteht auch hier vor Ort. Gemeinsam. Regional. Zukunftsorientiert.